Leo Ruzicka

Über die Kindheit und die schulische Ausbildung des am 25. August 1876 in Wien geborenen Leo Ruzicka
ist nichts bekannt, er dürfte in relativem Wohlstand aufgewachsen sein, blieb aber ehe- und kinderlos.
Seine Eltern Adolf (1846–1917) und Genovefa (geb. Toch, 1864–1921) waren aus Böhmen zugewanderte Juden.
Die Geschwister von Leo waren Charlotte (1872 –?), Bertha (verh. Graf, 1873–1940), Heinrich (1875–1977),
Cornelia Nelly (verh. Bass, 1878 –?) und Bruno (1883–1953). Als Prokurist der Seidenfirma Trebitsch & Sohn
hatte Adolf Ruzicka die Titel Verwaltungsrat und Kaiserlicher Rat erworben. Sein philanthropisches
Engagement bewies er als Mitglied der Ethischen Gesellschaft und innerhalb der österreichischen
Freimaurerei. Hier war er Mitglied der Grenzloge „Humanitas“ und im Februar 1897 ein wichtiges
Gründungsmitglied der Loge „Lessing zu den drei Ringen“, in der zum Stuhlmeister aufstieg. Mit
Hilfe anderer Mitglieder gründete er den Verein „Heimat“ sowie dessen Asyl für schutzlose Mädchen
und eine Bahnhofsmission. 1913 ließ die Loge ihm zu Ehren eine Plakette mit seinem Konterfei prägen.
Sein Sohn Leo Ruzicka sollte ihm in vielfacher Hinsicht nachfolgen und begann, seinen Platz in der
Gesellschaft zu definieren: Im April 1897 erfolgte seine Aufnahme in den Wiener kaufmännischen
Verein, seine Naturliebe bewies er 1902 durch den Beitritt zum Alpenverein. Aus der Israelitischen
Kultusgemeinde trat er im Jänner 1917 aus. Bereits im April 1897 war er in die Grenzloge „Lessing
zu den drei Ringen“ eingetreten, wo er neben Sekretär und Archivar auch andere Ämter übernahm.
Als Beruf gab er dabei Privatbeamter“ an. Zudem engagierte er sich im Verein zur Errichtung und
Erhaltung von Heimen für Kriegsinvaliden und verlassene Kinder, der von Rudolf Schwarz-Hiller
gegründet und geleitet wurde. 1927 jedoch wechselte er zur Loge „Vertrauen“ des gemischten
Freimaurer-Ordens „Le Droit Humain“, ein damals ziemlich einzigartiger Schritt. Hier diente er
1930/31 als Stuhlmeister, doch da es dabei zu Konflikten gekommen sein dürfte, trat er von dem
Amt wieder zurück und verließ die Loge endgültig 1933.
Auch sein Berufsleben verlief nicht sehr glücklich. Der Beginn seiner Tätigkeit für die Österreichische
Central-Boden-Credit-Bank (nicht zu verwechseln mit der Allgemeinen Boden-Creditanstalt) bleibt
ungeklärt, jedenfalls wurde ihm dort Anfang April 1926 die Prokura verliehen. Zu diesem Zeitpunkt
befand sich die Bank jedoch schon in massiver Schieflage, knapp vier Wochen später musste ihre
Liquidation eingeleitet werden. Danach dürfte er als neuer Gesellschafter der Kohlenhandlung von
Zoltan Lazar beigetreten sein, die sich an einer noblen Adresse in der Herrengasse 2-4 befand. Lazar
war zeitweise auch als Direktor bei der Britisch-Österreichischen Bank- und Handelsaktiengesellschaft
tätig und Mitglied der Loge „Labor“. Ungeklärt bleiben auch die Gründe der Löschung von Ruzickas
Einzelprokura 1935, zwei Jahre danach trennte er sich von Lazar. Dieser wurde nach dem „Anschluss“
wegen angeblicher betrügerischer Machenschaften steckbrieflich gesucht. Leo Ruzicka wurde vom NS-Regime
am 28. Oktober 1941 in das Ghetto Lodz eingeliefert, wo er am 12. Juli 1942 ermordet wurde.
Quelle: Archiv und Forschung des LE DROIT HUMAIN Österreich
Link:
Leo Ruzicka auf der Plattform WIEN GESCHICHTE WIKI
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